Die Ranke durchtrennen

Vorträge von Ajahn Jayapañño (ชยปญฺโญ ภิกขุ), Mönch der thailändischen Waldtradition, Suan Mokkh Isan (Wat Sunthariyaram), Sakon Nakhon · Facebook. Aus dem Ton transkribiert, geprüft und übersetzt; jeder Vortrag mit Untertiteln auf Deutsch, Englisch und Thai, mitlaufendem Transkript und PDF. Mit dem Segen des Lehrers.

Zum Einstieg
Morgenvortrag vom 28. September 2026 · 39 Minuten

Zuerst die Sicht geraderichten

Ein Zuhause für das Herz.

Ein Herz ohne Bleibe springt wie ein Affe von Ast zu Ast. Der edle Pfad beginnt darum nicht mit Konzentration, sondern mit korrekter Sicht: an Ursache und Wirkung glauben statt an Glücksbringer, dem Buddha vertrauen, bevor man selbst sieht, und beim Atem anfangen wie ein Kind, das zuerst stehen lernt. Wer das Hängen an Regeln und Ritualen überschreitet, hat keinen Rückwärtsgang mehr.

Abendvortrag vom 19. September 2026 · 37 Minuten

Wie Leiden entsteht und wo man es beendet

Der Fisch kennt das Wasser nicht.

Das abhängige Entstehen so erklärt, dass man es sofort anwenden kann: Die Kette lässt sich beim Gefühl durchtrennen, in dem Augenblick, in dem etwas gefällt oder missfällt. Wer die Liane in der Mitte durchschneidet, bei dem wächst an der Spitze weder Blüte noch Frucht. Und der wirkliche Weg ist der Atem.

Morgenvortrag vom 23. September 2026 · 41 Minuten

Wissen, ohne den Wissenden zu erschaffen

Der gebogene Ast schnellt zurück.

Einen Wissenden gibt es nicht, es gibt nur das Wissen. Die Bilder, die beim Sitzen erscheinen, sind Blendwerk aus der Wahrnehmung; die Kraft der Konzentration drückt den Zorn nur nieder, wie ein Ast, der zurückschnellt. Der Weg ist die Achtsamkeit in drei Stufen: beim Atem, in den vier Grundlagen, als Glied des Erwachens. Und loslassen tut die Weisheit, nicht die Absicht.

Vortrag vom 20. September 2026 · 17 Minuten

Die unreife Frucht

Wer richtet, irrt.

Eine unreife Frucht wird nicht reif, wenn man sie drückt; sie fault nur. Das Verlangen versteckt sich sogar im Wunsch nach Verdienst und Dhamma, und das Gute loszulassen ist schwerer als das Schlechte. Solange wir über andere urteilen, liegen wir falsch: Das Wissen nach draussen ist die Ursache des Leidens, das Wissen nach innen ist der Pfad. Der Schlüssel zum Schluss: weggeben, weggeben, loslassen.

Abendvortrag vom 29. Mai 2020 · 50 Minuten

Wissen, um loszulassen

Warum die Übung nicht vorankommt.

Wer ins Kloster kommt, will Verdienst; wer meditiert, will Ruhe, Wissen, Kräfte. Genau dieses Wollen ist die Ursache des Leidens. Der Weg führt durch den Körper zum Geist: den Atem kennen, einfach nur kennen. Man weiss nur, um loszulassen, nicht um zu nehmen; in der Übung gewinnt man nichts, es gibt nur Schwinden.

Morgenvortrag vom 29. September 2026 · 33 Minuten

Schau auf dich selbst, nicht auf die anderen

Eine Mango wird nicht auf Befehl süss.

Skandale um Mönche in den Nachrichten, Laien, die den Mönchen die Ordensregel vorhalten, Mönche, die sich wie Laien geben: Jeder soll seine eigene Rolle kennen und bei sich selbst anfangen. Eine unreife Mango wird nicht süss, weil man es befiehlt, und eine mit Gas gereifte hat die Farbe, aber nicht den Geschmack. Im Krieg der Propaganda ist Achtsamkeit die Rüstung und Weisheit die Waffe. Und der Prüfstein für jede Lehre passt in eine Hand: Faust oder offene Hand, hereinholen oder hergeben.

Morgenvortrag vom 8. Oktober 2026 · 30 Minuten

Wir sind nicht die Richter der Welt

Grün und Rot sind bloss Übereinkunft.

Über das eigene Herz sollen wir Richter sein, nicht über die anderen: Man kann dem Rind nicht die Hörner niederdrücken, damit es Gras frisst, und Blei wird in keiner Form zu Gold. Wenn der erste Knopf falsch sitzt, stimmt die ganze Übung nicht. Der Weg führt vom Vertrauen über die Achtsamkeit zum Gefühl, wo die Kette des Entstehens durchtrennt wird. Und wer wirklich sieht, streitet mit niemandem über Grün und Rot: Die Farbe ist, wie sie ist; die Namen hat der Mensch vereinbart.

Morgenvortrag vom 11. Oktober 2026 · 37 Minuten

Das Gute, das nicht befreit

Auch das Gute kann eine Last sein, wenn man daran festhält.

Gut sein will jeder, sagt der Lehrer, aber gut allein genügt nicht: Das Gute muss auch stimmen, es muss dem Grundsatz des Buddha folgen und zum Hergeben führen, nicht zum Hereinholen. Wie das Zuckerrohr in der Presse seinen Saft gibt, ob man es will oder nicht, kommt die Frucht des Gebens von selbst. Erstens das Wissen, zweitens der Grundsatz, drittens das Tun: Wer das eine ohne das andere übt, rudert in einem Becken. Und der Weg führt immer nach innen, zu Körper und Herz, zu den fünf Aggregaten, nicht zum Urteil über andere.

Morgenvortrag vom 15. Oktober 2026 · 27 Minuten

Verliere nicht gegen dein eigenes Herz

Verrichte die Arbeit nach aussen und vernachlässige nicht die nach innen.

Die Arbeit nach aussen, am Kloster und an den Pflichten, tun wir, sagt der Lehrer, aber die Arbeit nach innen dürfen wir nicht liegen lassen. Die Achtsamkeit fängt die Regung ab, bevor sie zum Mund hinausgeht: Was nicht nach aussen dringt, schafft keine Feindschaft, es endet bei uns wie ein Feuer, das ins Wasser fällt. Das Dhamma ist kein Werkzeug, um andere zu messen oder zu verletzen, sondern eine Übung an sich selbst. Auf dem Schlachtfeld mit dem eigenen Ich ist der Verlierer der Sieger: Gegen die ganze Welt zu verlieren, macht nichts, nur nicht gegen das eigene Herz.

Wortkarten

Die Lehre in zwölf Sätzen, die Wörter des Lehrers auf Karten

Zweiunddreissig Wörter aus den Vorträgen, jedes mit Pali, mit der Bedeutung, wie der Lehrer sie gibt, seinem Bild dazu und der Zeitmarke im Video, und mit einer Frage zum Beobachten im Alltag. In den Transkripten ist jedes Wort beim ersten Auftreten unterstrichen; ein Tippen öffnet die Karte.